Kooperationsprojekt im Schuljahr 2017 / 2018:

Textilkultur(en) in Syke – Von Linnenlegge bis Flagshipstore.
Wer trägt was, wann und warum?

Im diesjährigen Projekt der neunten Hauptschulklassen im Schuljahr 2017/2018 widmet sich das Kooperationsprojekt „Kulturelles Erbe“ zwischen dem Kreismuseum Syke und der GTS 2001 Syke dem reichhaltigen Themenfeld der Textil- und Kleidungskultur in Vergangenheit und Gegenwart.


Kleidung diente und dient nicht nur, den Körper vor Witterung, Verletzungen und Nacktheit zu schützen, sofern letztere als schamhaft besetzt ist, sondern erfüllt darüber hinaus eine Vielzahl an sozialen Funktionen. Vor einem historischen Hintermund betrachtet, dienten manche Kleidungsstücke oder Farben der Markierung von sozial geächteten Personengruppen (z.B. gelb im Mittelalter für Prostituierte und/ oder jüdische Bevölkerungsteile) aber auch zur Markierung von sozial angesehen oder begüterten Personen (Z.B. Pelzbesatz, Zylinderhöhe, sehr eng geschnürte Korsetts, Krinolinen).
Es gilt für die Schüler*innen Brücken von der Vergangenheit zu Gegenwart und umgekehrt zu bauen. Das heißt, immer wieder einen für die Schüler*innen nachvollziehbaren Transfer herzustellen zwischen den Funktionen und Deutungen vergangener und gegenwärtiger Kleidungspraxen. Mit welchen Bedeutungen wurden Kleidungsstücke in welchem historischen Kontext aufgeladen, wie hat sich dies verändert und welche Bedeutungen sind gegenwärtig relevant? Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen bezüglich des Lebensalltags und der Bewertungsmaßstäbe der historischen Akteure?


Bezogen auf die Gegenwart ließe sich zum Beispiel die Frage stellen, warum Marken, geradezu ein Markenbewusstsein, als wichtig angesehen werden. Wer trägt welche Marke, aus welcher Motivation heraus oder was will jemand durch die Wahl einer bestimmten Marke auf der Haut „zu Markte“ tragen? Welche Stellung in der Gruppe soll darüber gefestigt oder vermittelt werden? Welche Rolle spielen Individualität und Körperlichkeit für die Jugendlichen heute?


Das Magazin des Museums hat einen sehr großen Bestand an Kleidungsstücken. Im Verlauf des Jahres will sich die Projektgruppe exemplarisch mit bestimmten Kleidungsstücken ihrer Geschichte, Tragesituationen und symbolischen/ sozialen Aufladungen beschäftigen. Dies geschieht vor allem vor dem Hintergrund einer ländlichen Lebens- und Alltagswelt. Denn oft, wird bei Kleidungspraxen vergangener Tage an die Kleidung von König*innen und Kaiser*innen gedacht, an Sissy und Golden Twenties, aber weniger an die Alltagsbekleidung von z.B. Bauern, Tagelöhnern, Heuerlingen, Waschfrauen, Geschäftsleuten oder Handwerkern in einer Kleinstadt wie Syke und ihrer ländlichen Umgebung. Das heißt, anhand der Originalstücke wird den Schüler*innen ein Zugang zu dieser vergangenen Lebenswelt ermöglicht . Begleitet werden diese Magazinarbeiten von Besuchen im Stadtarchiv Syke, Exkursionen, Workshops, Interviews und Umfragen.
Aus diesem reichhaltigen Fundus werden die Schüler*innen unter Anleitung eine eigene Ausstellung in den Räumen des Kreismuseums kuratieren und am Ende des Schuljahres präsentieren.