"Symbole in der neuen Heimat". Rodi Khalil. Malerei

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 7. Mai um 15 Uhr.

Symbole und abstrakte Strukturen
Ich male. Ich male immer. Ich male, um meine Gefühle, meine
Verletztheit, meinen Schmerz zum Ausdruck zu bringen.
Die Leidenschaft zur Kunst begann für mich in den Straßen meines
Heimatdorfes Tal Hadat, das in der Nähe von Damaskus in Syrien
liegt. Ich malte an die Häuserwände und auf die Straßen der engen
Gassen. Ich zeichnete vor allem Bilder, die mir im Alltag meiner
Kindheit begegneten. Ebenso waren im Dorf Abbildungen an den
Häuserwänden zu sehen. Bilder, die ebenfalls den Alltag und die
Gedanken, der Menschen im Dorf skizzierten. Diese Bilder wurden in
meiner kindlichen Erinnerung zu Symbolen und abstrakten Strukturen.
Sie begleiteten mich durch meine gesamte Kindheit und wurden zu
einer gedanklichen Serie meiner persönlichen Lebensbiografie. Die
Vergangenheit wird zur bleibenden Erinnerung. Die Symbolkraft der
Bilder war allgegenwärtig, zu jeder Zeit. Gleichzeitig stehen Symbole
und Strukturen aber auch für Bewegung und Spuren. Bewegung, das
ist Leben und Leben, das ist Bewegung. Ein Mensch, der läuft; ein
Kind, das schreit; eine Mutter, die backt; ein Hund, der bellt. Überall im
Alltag der Menschen ist Bewegung zu finden. Diese Bewegung tragen
die Symbole und Elemente meiner Kunst in sich.
Symbole und abstrakte Strukturen, dass ist das Thema dieser
Ausstellung.
Ich studierte an der Universität in Damaskus Kunst und Dekoration,
arbeitete als Bühnenbildner am Theater und fertigte Dekorationen für
verschiedene in Syrien ausgestrahlte jordanische Fernsehsender an.
Seit 1989 stellte ich in verschiedenen Galerien aus, unter anderem im
Libanon, in Istanbul, in Kuweit, der Ukraine, London und New York.
Während meiner gesamten Laufbahn als Künstler erlebte ich
Unterdrückung und Repressionen in meinem Land Syrien. Es fehlte
mir an einem Ausweis, aufgrund meiner kurdischen
Volkszugehörigkeit. Ich war vor allem rechtslos. Von Zeit zu Zeit fühlte
ich mich, wie ein Vogel, dem die Flügel gestutzt wurden. Die Kunst ist
mein Weg, diese Erlebnisse zu verarbeiten.
Im derzeitigen Mittelpunkt meiner künstlerischen Arbeit stehen
nunmehr die Symbole und abstrakte Strukturen meiner Kindheit. Der
Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit dem Thema
?Symbole? und deren innere und äußere Welt, deren Strukturen und
Beziehungen, sowie auf den Raum, der sie umgibt. Die Struktur von
Symbolen stand in der Kunst immer wieder im Mittelpunkt, wurde von
allen Kulturen und Religionen geprägt und unterschiedlichsten Zielen
untergeordnet. Die Darstellungen veränderten sich mit den
Zeitströmungen.

Die Faszination, also den Menschen darzustellen und in seiner
Wirklichkeit und/ oder Vielschichtigkeit zu erfassen, ist geblieben. In
der Arbeit an und mit Fragmenten verdeutlicht sich für mich die Suche
nach Wahrheit und Wirklichkeit, die sich in ihren existenziellen Fragen
und Auseinandersetzungen stellt. Dabei ist mein Arbeitsprozess
bestimmt durch einen Spannungsbogen zwischen Planung und
Experiment.
Die Fragmente zeigen bruchstückhaft Paare oder Gruppen. Ich
versuche im Fragment das ?Ganze? zu zeigen oder ?Neues? entstehen
zu lassen. Der Torso oder das Fragment ist eine ?willentliche
Konzentration? auf das Wesentliche. Die menschliche Darstellung
kommt damit auch ohne erzählerisches Beiwerk aus. Diese Arbeiten
leben allein von einem Spannungsfeld zwischen realistischer
Ausführung und Abstraktion.
Das ?Neue? führt von der Körperlichkeit weg und lässt Räume
entstehen, die durch die Zusammenführung mit experimenteller
Fotografie oder als Installation vollkommen eigenständig werden.
Ich bin durch die Farben und Gerüche meines uralten Heimatdorfes
Tal Hadat geprägt. Die Farben meiner Bilder entstammen den Farben
der Natur. Zum einen findet sich die Farbe dunkelbraun in meinen
Bildern wieder. Das ist die Farbe von Kastanien, Nüssen und der Erde.
Als Kontrapunkt zur Tradition und als Bezug zur Gegenwart verwende
ich die Farbe Orange. Sie drückt die Liebe aus. Beim zeichnen arbeite
ich mit Ton, Baumharz, Essig, Olivenöl und Baumwolle. Ich stelle
meine Farben selbst her. Dafür koche ich verschieden Blätter und
unreife grüne Nüsse mit Baumharz. In meiner aktuellen Arbeit nutze
ich neben der Naturfarbe auch spezielle Steinpigmente aus
verschiedenen Ländern. Hinsichtlich der Herstellungstechnik arbeite
ich primär mit Holz und verschiedensten Materialien aus der Natur,
woraus sich die Symbiose zwischen der Natur und den Symbolen
meiner Kunst ergibt.
In der Zukunft werde ich meine Techniken ausbauen und
weiterverfolgen.
Mit der Ausstellung zum Thema ?Symbole und abstrakte Strukturen?
erhoffe ich mir eine Brücke zwischen den Symbolen meiner Kunst und
den Besuchern der Ausstellung zu erschaffen. Die Besucher sollen bei
Betrachtung meiner Bilder eigene Symbole gedanklich erbauen und
damit ihren inneren Frieden finden.
Rodi Khalil

 
Termin 7.5 - 18.6