"Bekleidung in der DDR - Textilien und Modealltag"

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 19. August um 15.00 Uhr

Am 3. Oktober 1990 endete die deutsche Teilung mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes. Jetzt, im Jahr 2018, lenkt das Kreismuseum in Syke mit einer Sonder-Ausstellung den Blick auf verschiedene Aspekte der Textilbereiche und der Modekultur in der ehemaligen DDR.

Mode in der Deutschen Demokratischen Republik, gab es die überhaupt? Na klar! HO und Konsum sorgten in der DDR für manchen Chic, wenn auch die Mangelwirtschaft den Vorschlägen des „Modeinstitutes“ Grenzen setzte.

Ab 1970 bot „Exquisit“ in ihren Läden hochwertige, modische Kleidung an und es wurde zum 20. Jahrestag der Republik ein besonderer Stoff entwickelt. Mit der „Jugendmode 68 – kess und farbenfroh“ wurden die Jugendlichen in der DDR umworben und als Ersatz für die West-Levis die DDR-Jeans der Marken „Boxer“ und „Wisent“ angeboten.

Textilherstellung in der DDR und Bekleidung auch noch mit dem Etikett „Mode“ versehen, da kann doch etwas nicht stimmen. War denn die ostdeutsche Frau an sich nicht auf ihre Dederon-Schürze eingeschworen und verließ sich der zugehörige Mann in seiner Kleidung nicht ebenso vorhersehbar auf ausgebeulte Trainingsanzüge, Feinripp-Unterhose und Kunstfaser-Pullover?

Schon erstaunlich, wie fest West-Klischees unsere Vorstellungen im Griff haben. Auch die Meinung, das Non-Plus-Ultra modischen Chics habe sich in „Präsent 20-Anzügen“ für die Männer und Rundstrickkostümen für die Frauen erschöpft, hält sich hartnäckig – und von der Idee eines großen sozialistische Einheitsgraus will so mancher ebenfalls nicht lassen. Dass der textile Alltag ein ganz anderer war und sich Mode zwischen praktisch und individuell, zwischen Angebotsengpässen und Eigeninitiative, zwischen oft langweiliger Konfektion und kreativer Selbstverwirklichung bewegte, wissen all jene aus Erfahrung, die im Osten Deutschlands lebten.

Aber es ging auch anders: Ende der 50er Jahre wurden auf den Schneidertagen in Leipzig und (Ost-)Berlin die besten Modelle der DDR-Modehäuser prämiert.
Die Modezeitschrift „Sibylle“ berichtet in ihrer Ausgabe Nr. 3 von 1957 über die Preisverleihung an Doris Hahn, Inhaberin des Mode-Salons „Doris“ aus Berlin- Weissensee. Einige interessante Original-Modelle der Designerin aus dieser Zeit werden in der Sonderausstellung in Syke vom 19. August bis 28. Oktober präsentiert.

Tragbare, kombinierbare und pflegeleichte Mode waren wichtigste Prämissen für jeden Bekleidungsgestalter östlich der Elbe. Hierfür gab es sogar Vorgaben der allgegenwärtigen Partei- und Staatsführung, die – man mag es kaum glauben – sich auch mit dem Aussehen und modischen Auftritt der oft und gern beschworenen sozialistischen Menschengemeinschaft befasste. Sieht man von der ganzen ideologischen Verbrämung einmal ab, bleibt eine Kernaussage: Die zu fast 90 % berufstätigen Frauen des ehemals zweiten deutschen Staates benötigten und wollten alltagstaugliche Mode, die sich am westlichen Mode-Design orientierte und die bei allen Anforderungen an den praktischen Nutzen von strapazierfähig bis zweckmäßig auch und vor allem chic und modisch sein sollte.

Wie viel spiegelte sich in der Mode jener 40 Jahre DDR wieder? Gab es das eigentlich, ein spezifisches Modebewusstsein im Osten? Wer war verantwortlich für das, was in die Läden kam und für das, was Frauen, Männer und Kinder trugen?
War Mode in der DDR überhaupt denkbar ohne die auch in anderen Lebensbereichen unverzichtbare Eigeninitiative, das Improvisationstalent, den Mut zum Probieren und Machen?

Auf Plakaten, beim Blättern in alten DDR-Katalogen, Modezeitschriften und beim Anfassen von Original-Exponaten ergeben sich Antworten, aber auch neue Fragen – das ist normal und so möchte Jürgen Lüdtke mit seinen in über 25 Jahren gesammelten Exponaten und in seinem Vortrag die Besucher vor allem zu einem Streifzug durch mehr als 40 Jahre textiler Geschichte und Mode der DDR verführen.

 
Termin 19.8 - 28.10
 
Ort Sonderausstellungsraum